Ostfriesische Idylle


In Ottos Leuchtturm kann man sich vermählen
am Leyhörn später Säbelschnäbler zählen
ein Zivi hilft, man ist da erst noch unbedarft

Die Gülle stinkt verhalten meckern Himmelsziegen
die Siel-Acht lässt den Hammrich trocken liegen
schief hockt die kleine Kirche auf der Warft

In windgeformten Pappelblütenschleiern
thront eine Häuptlingsburg umringt von trüben Weihern
auf einem Teppich von Vergissmeinnicht

Ein Rentner aus dem Ruhrpott mit vier Hunden
erwarb sie, hätt sie dem Verfall entwunden
doch selbst entwand er sich ihm leider nicht

Rohrweihen jagen ihren letzten Schatten
im gaukelnd Tiefflug über mistbestreute Matten
der Tierarzt eilt nach Ochtelbur zur Fleischbeschau

Mit Sonnenwimpern säumt das alte Schilf die Gräben
die Esche krallt mit schwarzen Fingernägeln
bis auf den Deich herab das hohe Himmelsblau.

 

Einer Bachstelze

Flinke Klöpplerin, dein Bogenflug säumt
die zartgrünen Teppiche junger Saaten.
Ackerfrau, Schollenhopplerin, säßt du
in der schützenden Furche still!

Ballerina, du tanzt wieder und wieder
kühn über staubigen Asphalt.
Wie mein Atem stockt!
Rolle bremsbereit dir entgegen
bis du dann doch auffliegst.

Gestern stürztest du jäh wie ein Komet herab
gleich verschluckte mit Schwung die Karosserie deinen Leib
schnelltest angstvoll empor
noch immer hallt mir der Schlag im Ohr

Klosterfräule heißt du
hoffen will ich, du warst keinem Wedelwipp hold,
bautest am Trauf kein Nest
hinterlässt keine Waisen!

Niemals wollt ich, dass dies passiert!

 

 

Blühstück

Birnbaum dein Blühstück
verdient allen Bienenapplaus

in löwengezähnte Szene
setzt du dein Kleid

wirfst es premièren-erfahren
auf gräsernen Teppichen aus

raffst deine Ringe
und stundest zum Fruchten die Zeit

 

 

Abstand

waldapril

zunderschwamm
feuerleiter
für waldgeister
an totem stamm

bingelkraut
aus modertrank
& moosgesang
wird glockenlaut

aronsstab
nadelzungen
empor geschwungen
zu fliegenlab

seidelbast
blühverlängert
& giftgeschwängert
der kahle ast

waldapril
so kronenlicht
& bodendicht
was leben will


Abstand

Osterspaziergang


Es dünt so grün das frylinkslyrisch Bingelkraut
es dingel-schwingt die Singeldrossel lenzenlaut
es bricht so kreidebleich aus allen Kalksteinmuscheln
burgruiniert möcht ich den Tag vertuscheln
bis der aprillen Sternenhagel taut.

Du sagst, ein Becks Bier habe das Gedicht versaut
und Hexenbutter mir die Kontinenz geraubt?
Da gärt im Bauch der Bärenlauch und Schwärme
von Nebelkrähen plagen die Gedärme.
Komm, Wolf im Hasenpelz, das Nesteln ist erlaubt!

 

Abstand

Am Taupunkt

Misteldrossel
mistelt
lispelt
wispert
ihr langloses Lied.

Westwind schiebt
gewalkte Wolken
vor die Sonne
bis die Säume sengen

Buttensträucher
biegen sich wegwärts
stacheln uns an
letztes Winterblut zu saugen.

Wühlmäuse erschließen
die unentschlossene Flur.

Was wird kommen
nach Lichtmess?
Nebelkappen,
Eisblumen
oder doch

Krokusse?


 

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