StillE POSt

die RingelTAUBen fliegen Formation
am Sommerhimmel: silbergraue Acht
vom Fensterbrett lokaler RedAKTion

sie kippen LINKS und wippen RECHTS synchron
kokett - der WETTERhahn hats vorgemacht
die Ringeltauben LIEBEns Ton in Ton.

als Headline übernimmt man monO-TON
den Silbenhimmel – immer grau – gib acht
beim Fensterln vor dem BETT der Red-Aktion.

  durch ENTEngrütze quält sich anglophon
der NewstranSPORT notorisch angemacht
ein KlingELTON stockt taub ins MIKROphon

Rubriken havarieren kakophon
vor jedeM ORDen, lobend eingePACKt
Gespenst im Fettdruck, Wettpokal zum Hohn

die SonderseitenhalluziNATION
verkleckert nett Rabatt, wo eingesackt
die Fang-An!zeigen scHIEBEn Sensation
mORALVERKEHRt zur Federbettfraktion.

 

(Villanella mit freien Zeilenvariationen von Jutta Over)

hier

muss

Abstand sein!

Formen in der experimentellen Lyrik: Das Pantum

 

Das Pantum ist eine alte malaiische Gedichtform, die von den französischen Romantikern (z.B. Charles Baudelaire in "Les fleurs du mal") verwendet und im letzten, also 20. Jahrhundert von Oskar Pastior wiederentdeckt wurde. Er hat diese Form für die experimentelle Lyrik salonfähig gemacht. Eines seiner Bücher heißt sogar: „Villanella & Pantum“.

Das Zeilenpantum besteht in der Regel aus vierzeiligen Strophen. Die zweite und vierte Zeile jeder Strophe wird zur ersten und dritten Zeile der folgenden Strophe.

Oskar Pastior verwendet bisweilen homophone Variationen bezüglich der zu wiederholenden Zeilen (auch in der Villanella, einer anderen Gedichtform mit Zeilenwiederholungen), allerdings nicht immer so exakt wie bei folgendem Lehrbeispiel:

Wird auch'n einsam Tal leben?
Der dies erfand aß Igeleier
>>>>  
Wir tauchen ein samt alle Bänder
dieser Phantasie. Geleier!

Der Autor "wPsZ_pD" (Internet-Pseudonym), der meisterhaft mit dem Pantum (aber auch mit Villanella und Sonett) experimentiert, hat diese oulipotische Technik insofern liberalisiert, als er hin und wieder 'klangÄHNLICHE' (klanganaloge), nicht 'klangGLEICHE' (homophone) Wiederholungen verwendt, z.B.

a) 'reimkorrespondierend (zeilenpartiell oder total):

bald gesang erwirbt - oh! nie-chor: tuut! - weibsspruch: blei-raubbau
>>>>  
"halt!" fleht klang er zirpt vorm ziehohr tut - ei! - fluch(brei?): stau-GAU

..

b) durch neu-arrangement der zeilenwörter:

abhold der fluchtgeraden
>>>>  
der flucht abhold geraden-

oder auch Mischungen der Verfahren a und b.

 

Die erfrischenden und kreativen Ergebnisse dieser hier zunächst sehr theoretisch klingenden Technik haben mich sofort begeistert, so dass ich selbst etliche Werke dieser Machart verfasst habe, die allerdings weniger formstringent sind, als die meiner Vorbilder.

Das Silbenpantum enthält entsprechend ein starres Gerüst von Silbenwiederholungen: Die zweite und vierte Silbe in jeder Zeile wird zur ersten und dritten Silbe in der nächsten Zeile. Dabei sind leichte Abweichungen in der Schreibweise nicht immer ganz zu vermeiden.

 

2. Die Villanella


"Der Name Villanella kommt von villanus (=bäuerlich) und bezeichnet ein für den Rundtanz komponiertes ländliches Lied, bei dem mehrere Strophen aufeinander folgen, die bei strenger Ausführung mit zwei abwechselnden Refrainzeilen enden. In der englischen Lyrik, wo sich das Spiel mit komplizierten Formen größerer Beliebtheit erfreut, ist die Villanella gelegentlich anzutreffen, z.B. bei Dylan Thomas" (aus: Hans-Dieter Gelfert, Einführung in die Verslehre; Reclam1998). Oskar Pastior hat auch diese Gedichtform in der oben beschriebenen Weise neu definiert.

 

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